Kleine Geschichte vom Schmerzglück

in zwei Akten

1. Akt:
Ich stehe splitternackt an weinroten Arm- und Fußfesseln gebunden und erwarte sehnsüchtig die ersten Schläge der Peitsche. Sie gehen langsam auf meinem Rücken nieder. Ich fühle, es ist der schwere Flogger mit den langen breiten Striemen. Fast zärtlich streichelt die Peitsche meinen Rücken, gleich mässig und sicher kommen die Schläge, und ich spüre schon eine Lust nach zunehmender Wucht. Meine Schulterblätter dehnen sich wie von selbst in die Schläge hinein, ich lehne mich hinein in den Rhythmus der immer heftiger und mächtiger auf meinen Rücken klatschenden Striemen und werde ganz ruhig. Vertraut ist mir das schon: Ich fühle, wie mich die Schläge zu mir bringen, zu mir her holen auf eigentümliche Weise, fühle, wie ich mich gleichzeitig zu weiten und auszudehnen beginne. Ich spüre auch, wie sich durch diese beiden Bewegungen ein immer stärker werdendes Band zu knüpfen beginnt zwischen meiner Top und mir. Ich drehe unerlaubt kurz den Kopf nach ihr um, kann sie mir für Sekunden einfangen, wie sie genüsslich ausholt zum nächsten Schlag. Wie schön sie ist. Sie lächelt, und ich weiß, sie wird mich heute noch schreien lassen vor Schmerz. Ich antworte ihr schon jetzt mit einem hingebungsvollen "Jaaaaaaah!", als der nächste Schlag mir auf den Rücken donnert, höre sie kichern und entrüstet etwas murmeln von wegen: "hab ich dir das etwa erlaubt?" Laut stöhne ich, lächle, kann dem Schalk in meinem Nacken doch nicht widerstehn und wackle mit dem nackten Arsch ein paar Mal provozierend und kokett hin und her. Ich höre sie laut auflachen hinter mir, wende mich wieder um, kann die Heiterkeit in ihrem Gesicht gerade noch erhaschen, lache ihr meine Freude darüber hinein und schau dabei auf alle Fälle ein bißchen zu keck. Jetzt wird es mir bis an die äußersten Grenzen an den Kragen gehen. Jetzt wird sie mich bis an meine Grenzen hin einnehmen, mich bis an die Grenzen berühren und vielleicht ein kleines Stückchen darüber hinaus. Ich lächle wieder. Wir werden beide Ballast abwerfen auf dieser Reise, immer weiter und leichter werden. Bis an unsere Grenzen werden wir aneinander hin gehen. Was für eine große, innerste Freude. Was für ein Fest. Und ein mächtiges orgiastisches Lachen steigt in mir hoch. …

Long break :-)

2. Akt:
Du trägst deine schwarze Lederhose, deine blondierten Dreadlocks hast du zu einem Dutt hochgesteckt. Dein muskulöser, breiter Oberkörper ist entblößt. Deinen wunderbaren kräftigen Bart hast du eigens für mich stehen lassen, ich spiele dafür ein Weilchen mit den hocherogenen Nippeln deiner großen Titten. Du stöhnst leise lüstern vor dich hin. Ich beginne, dir ad hoc zwei gemeine Klammernzipper über deine schönen Brüste zu setzen. Dein Atem geht schneller, als sich die garstigen Klammern dir ins Fleisch krallen. Jetzt stöhnst du vor Schmerz – und du weißt, dass es bald noch schlimmer kommen wird. Ich quäle dich ganz verträumt ein wenig mit den Klammern, lasse Zeit verstreichen. Mit einem plötzlichen Ruck reisse ich dir beide Zipper aus dem Fleisch. Du schreist – und ich sehe in deinen Augen, wie er unwiderstehlich nach dir greift und dich berauscht, der heftig brennende Schmerz. Ich halte dich und streichle dich zärtlich. Du zitterst und wimmerst ein bisschen vor dich hin in meinen Armen, und ich fühle deinen ganzen Hunger über dich kommen. Ich bin gierig nach dem, was der Schmerz mit dir macht, empfinde fast so etwas wie Ehrfurcht vor dem, was er öffnen kann. Sanft fahre ich mit den Fingerspitzen über die Narbe auf deinem Rücken, denke daran, dass ich dir heute noch dorthin gehen werde, wo dein Lebenssaft fließt und lecke mir blutdürstig die Lippen. Ich denke daran, wie du mir davon erzählt hast, dass der Schmerz einen Raum für dich öffnet, wo die Krankheit dir nichts mehr anhaben, dir nicht mehr drohen und wo sie dich nicht mehr zu fassen kriegen kann, einen Raum, wo es wie über dich und die Körpergrenzen hinausgeht, einen die Krankheit überschreitenden Raum, einen ‚heilen’, einen heilenden Raum. Ich schaue dir voller Zärtlichkeit in deine weiten, großen Augen, sehe all deine Hingabe darin schon aufsteigen, eine Hingabe, die jetzt tatsächlich mich meint. Du bist überwältigend darin, und aus heiterem Himmel fällt mir ein, dir zu befehlen, mir erst einmal mindestens zwei überzeugende politisch unkorrekte Blondinenwitze zu erzählen, bevor es mir vielleicht gefallen könnte, dich noch viel, viel mehr zu malträtieren. Du schaust völlig verdutzt und stimmst schliesslich mit ein in mein unbändiges Lachen. …

Chuluk, with love to the folks of the conference 2005.

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