Die Freuden der Abwechslung

Die diesjährige Konferenz versucht, diverse Beziehungsmuster ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen, Fragen zu stellen, multiple Verbindungen aufzuzeigen und soziale und emotionale Netzwerke zu knüpfen. Als SMerInnen wissen wir, wie vielfältig Beziehungen erlebt und gestaltet werden können, mit allen Möglichkeiten und Grenzen. Polyamorie – polyamorös- poly – lebend – ist in diesem Zusammenhang in aller Munde, aber was ist damit gemeint?

Wenn es um ethische Polyamorie geht, ist dies ein besonderer Lebensentwurf, von Anfang an klar ausgesprochen und an Grundsätze wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt gebunden. Polyamorie heißt nicht mehrere „Affären“ zu haben. „Heimlich“ gibt es nicht. Alle Beteiligten wissen voneinander. Sie erkennen sich als Mitglieder der Beziehung an, respektieren und vertrauen einander. In einer polyamoren Beziehung spielt Sex eine ebenso große oder geringe Rolle wie in einer monogamen. Polyamoröse Menschen haben romantische, exklusive, intensive, ausschließlich sexuelle und viele nicht definierte Beziehungen.

Wie bei SM auch bedarf es bei Polyamorie klarer Regeln, die individuell vereinbart werden und sehr variantenreich sein können. Da menschliche Beziehungen nie statisch sind, sondern sehr dynamisch und sich ständig entwickeln – vor allem in einer multiplen Partnerschaft – sind die Regeln immer wieder zu modifizieren und an den einzelnen Beziehungen auszurichten. Kommunikation ist hier ebenso entscheidend wie in der Vorbereitung eines guten Plays. Das hört sich nach viel Arbeit an – ist es auch! Aber – versprochen: Es lohnt sich. ;-)

Safer Sex, Eifersucht, „Zeitmanagement“, das sind nur einige Punkte, die ebenfalls geklärt werden müssen. Apropos Eifersucht: Es ist ein Mythos, das poly-lebende weniger eifersüchtig sind als monogam- lebende. Der Umgang damit ist jedoch ein anderer: Einzig und allein der eifersüchtige Mensch ist verantwortlich für seine Eifersuchtsgefühle, nicht die Partnerin! Der Satz: „Wenn du mich lieben würdest, dann würdest du dies und jenes für mich tun“ wird gestrichen und als Manipulation abgelehnt. Stattdessen wird an den Gründen für die Eifersucht gearbeitet, gemeinschaftlich und individuell.

Polyamorie hat viel mit Hingabe und Teilen zu tun. Hingabe nicht in dem Sinne, dass die Partnerinnen als Eigentum betrachtet werden und Kontrolle über das Leben der Partnerinnen übernommen wird. Hingabe, wie wir es aus dem SM Kontext kennen: Ich gebe mich hin und gebe der anderen etwas von mir und freue mich, wenn die andere es annehmen kann. Teilen meint, Leben und Liebe mit mehreren Menschen zu teilen. Kein Zwang zur Wahl, kein „du darfst nur mich lieben“, denn Liebe ist nicht eingrenzbar.

Multiple Bindungen bedeuten mehr Verantwortung und mehr Intimität. Darüber hinaus mehr Abwechslung und Vielfalt. Und über alles: Lust und Neugierde auf mehr und andere(s). In diesem Sinne:

Erlauben wir uns Vielfalt!