Zur Osterkonferenz 2018 sind alle FrauenLesbenTrans*Inter* eingeladen, die sich der FrauenLesben BDSM Szene zugehörig fühlen und mit ihr solidarisch sind.

In Bezug auf die Begriffe Frauen, Lesben, Trans* und Inter* gilt die Selbstdefinition. Egal wie die Begriffe persönlich gefüllt werden, wer sich in ihnen erkennt, ist herzlich willkommen. Wichtig ist darüber hinaus, die Geschichte der Osterkonferenz als ein in den 1990ern von FrauenLesben aufgebautes Event anzuerkennen und mit dieser Szene solidarisch zu sein. Wer sich in dieser Tradition sieht und sich als Teil dieser Community fühlt, kann dabei sein.

Wir möchten betonen, dass Menschen, die HIV-positiv sind, bei uns sehr willkommen sind. Cis-Männer, die als Männer leben, sind nicht eingeladen und Cross-Dressing allein berechtigt nicht zur Teilnahme.

Wer ist eingeladen?

Debatten neu denken

Alle Jahre wieder diskutieren wir über die Einlasspolitik. Immer wieder schlägt diese Frage tiefe Gräben, egal ob sie im Privaten geführt, im Internet heiß läuft oder auf der Konferenz selbst besprochen wird.

Wenn auch nicht intentional, waren diese Diskussionen bisher oft gekennzeichnet von Transphobie, Lesbenfeindlichkeit, Körpernormativität und der Abwertung von persönlichen Gewalterfahrungen. Sie wurden häufig verletzend, ausgrenzend, abwertend und gewaltvoll geführt und das sowohl im Ton als auch im Inhalt.

Wir möchten deshalb aus dieser Debatte aussteigen. Wir wollen nicht mehr über biologische Körper und geschlechtliche Zuschreibung reden, nicht mehr diskutieren, wessen Identität anerkannt wird oder nicht und auch nicht mehr gegeneinander abwägen, wessen Wahrnehmung nun die Wichtigere sei.

Stattdessen möchten wir darüber sprechen, welchen Raum wir als Community auf der Osterkonferenz schaffen und wie wir miteinander umgehen wollen. Wir möchten also über Haltungen reden, über unser Verhalten, allein, unter Freund*innen und denen gegenüber, die wir nicht kennen und vielleicht auch nicht verstehen.

Damit uns das gelingt, möchten wir unser Wissen aus dem BDSM-Kontext nutzen und in einer wertschätzenden Weise miteinander verhandeln, wie wir uns sozial begegnen. Ein Weg dafür ist, die Safe-Words aus dem Play auch im sozialen Umgang zu nutzen und die Spielregeln und generellen Umgangsformen auch im allgemeinen Kontakt anzuwenden.

Zentral für uns als Osterkonferenz-Orga ist dabei ein freundlicher Umgang miteinander, der von gegenseitiger Akzeptanz, einem Wohlwollen der*dem Anderen gegenüber und dem Respektieren von Grenzen geprägt ist. Wir wollen Menschen um uns haben, die uns positiv gegenübertreten, die sich mit und über uns freuen und die ein wirkliches Miteinander erleben wollen.

Wir haben uns vorgenommen, mit Problemen und schwierigem Verhalten in den Situationen, in denen sie vorkommen, umzugehen. Wir möchten also versuchen, Probleme dann zu lösen, wenn sie tatsächlich da sind und nicht abstrakt vorab.

Darüber hinaus versuchen wir, einen Raum zu schaffen, in dem verschiedenes Begehren, Vorstellungen und Plays nebeneinander Platz haben und der den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht wird. So hoffen wir, gemeinsam verschieden sein zu können.

Wir mögen die Diversität unserer Community. Wir haben eine tolle Szene mit wunderbaren Menschen und es ist großartig, dass unsere Identitäten und Körper, unsere Leidenschaften und Kinks so vielfältig sind.

Wir wollen ein Miteinander, das möglichst Vielen eine schöne, lustvolle Konferenz ermöglicht und wir wollen es mit allen und für alle!

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Regeln zum generellen Umgang miteinander

Respekt und Anerkennung von Grenzen: Wir wünschen uns einen Umgang miteinander der respektvoll, freundlich und wohlwollend ist – zumindest solange dies nicht anders verhandelt wurde. ;-) Die Grenzen einer*eines jeden Einzelnen sind anzuerkennen.

Bewusstsein für soziale Ungleichheiten: Die Konferenz ist ein besonderer Ort, aber sie ist nicht frei von den gesellschaftlichen Strukturen. Auch auf der Osterkonferenz gibt es Diskriminierung und Ausgrenzung. Wir möchten besonders Rassismus, Transphobie, Sexismus, Körpernormierungen und Klassenunterschiede minimieren.

Vorurteile vermeiden: Das bedeutet für uns Zuschreibungen zu vermeiden, die auf der Hautfarbe, einer angeblichen Gruppenzugehörigkeit, der Geschlechtsrepräsentation oder dem Körper basieren. Es bedeutet außerdem, die Lebensrealität, Wahrnehmung und Erfahrung des Gegenübers nicht in Frage zu stellen – auch wenn sie unverstanden bleibt. Und es bedeutet die Selbstidentifizierung und die daraus resultierenden Bedürfnisse anzuerkennen und im Kontakt entsprechend umzusetzen.

Selbstreflektion: Wir sind nicht gleich – wir machen nicht die gleichen Erfahrungen und haben nicht das gleiche Wissen – das ist ok! Niemanden zu verletzen ist unmöglich, wir erwarten keine Perfektion. Was wir erwarten, ist die Bereitschaft sich mit dem eigenen Handeln und dessen Auswirkung für andere auseinanderzusetzen.

Sensibilität: Nehmt nicht an, eurer Gegenüber sei wie ihr. Seid sensibel, wann und wie ihr jemanden ansprecht – und reagiert ebenso wenn ihr angesprochen werdet. Sprecht miteinander, nicht gegeneinander und versucht die*den anderen zu verstehen. Fragt nach wenn ihr etwas nicht versteht, hört zu und respektiert die Erfahrung des Gegenübers, gerade dann, wenn ihr eine andere habt. Seid ehrlich zu Euch selbst, offen gegenüber Kritik und seht Gespräche über schwierige Themen als Chance für Veränderung und nicht als Angriff.

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Playparty Regeln

Neben den allgemeinen Umgangsregeln miteinander, die selbstverständlich sein sollten, und es doch oft nicht sind, gibt es noch all die Regeln, in denen es ganz direkt um BDSM geht.

Eine wichtige Regel für uns ist die Wertfreiheit gegenüber dem Begehren und dem Sein der*des anderen. Für die Konferenz gilt „Your Kink is not my Kink but your Kink is ok“ –
auf deutsch: „Dein Kink ist nicht mein Kink aber Dein Kink ist in Ordnung.“ Das Schöne an der Osterkonferenz ist, dass sie Raum bietet, Dinge auszuleben, die sonst nicht akzeptiert werden, dass wir unser Begehren öffentlich ausleben können, dass wir unserer Innerstes zeigen können, ohne dafür verurteilt zu werden – und dieser wunderschöne Raum soll gewahrt bleiben.

Wir halten uns an den Grundsatz „safe, sane, consensual“ (zu Deutsch: sicher + bei klarem Verstand + einvernehmlich).

Für alle Playparties gelten darüber hinaus die folgenden Regeln, die aus dem → SchMacht-Netzwerk kommen und sich auf vielen Playparties bewährt haben. (Die weibliche Sprache dieser Regeln würdigt den Ursprung von SchMacht! als Netzwerk von SM-Frauen unabhängig davon, wer auf die Party eingeladen ist.)

 

(Selbst-)Verantwortung

  • Respektiert die Grenzen anderer, soweit ihr sie kennt oder sie euch mitgeteilt werden.
  • Jede (Bottom, Top, Switch; Spielende, Zuschauende) ist für sich selbst verantwortlich. Achtet auf eure eigenen Grenzen.
  • Falls Alkohol ausgeschenkt oder mitgebracht wird: Alkohol verringert auch in kleinen Mengen das Urteilsvermögen und die Reaktionsgeschwindigkeit. Um Spielerinnen, die nüchterne Partnerinnen wünschen, diese Möglichkeit zu geben, bitten wir alle, die Alkohol oder Drogen gebrauchen wollen, dies vor einer Szene ungefragt anzugeben.

 

Respekt und Diskretion

  • Andere Teilnehmerinnen und deren Eigentum sind nicht ungefragt zu berühren.
  • Foto-, Film- und Tonaufnahmen sind nicht gestattet, das gilt auch für Handys und ähnliches.
  • Das Kommentieren von Szenen ist nicht erwünscht.
  • Partyszenen, insbesondere die, an denen ihr nicht selbst beteiligt wart, sind auch im Nachhinein mit äußerster Diskretion zu behandeln. Keine Namen nennen!
  • Sowohl Verhandlungsgespräche als auch lautstarke Begrüßungen und Diskussionen sind unbedingt dort zu halten, wo sie nicht störend in Szenen eindringen können. Achtet bitte auch bei sehr lauten, wortreichen Szenen darauf, ob andere in der Nähe sind, die dies aus ihrem Spiel reißen könnte.
  • Streitigkeiten sind außerhalb der Playräume auszutragen!

 

Räumlichkeiten

  • Allgemein dürft ihr, mit Ausnahme des Ruheraums, der Toiletten und der Duschen, überall spielen. Nehmt außerhalb der Spielräume Rücksicht auf die, die nicht spielen. Wir bitten euch außerdem sehr extreme Spiele auf die Spielräume zu beschränken.
  • Ruheraum: Der Ruheraum soll der Erholung dienen, und eine Rückzugsmöglichkeit bieten. In ihm gilt: kein Spiel, kein Sex und kein Reden. Bitte respektiert dies!
  • Spielbereich Spielbereiche sind zum Spielen da; wenn Spielende den Platz brauchen, steht er ihnen zuerst zu. Das Reservieren von Spielplätzen mit Taschen und ähnlichem ist unerwünscht.
  • Spielbereiche bitte von Essen und Getränken freihalten. Ausnahmen: Notfutter (Energieriegel etc.) und Wasser (in unzerbrechlichem Behälter)
  • Toiletten dienen ebenso wie die Duschen ihrem eigentlichen Zweck und sollen nicht bespielt werden.

 

Spielregeln

  • Gebt körperliche und psychische Besonderheiten und Unverträglichkeiten vor einem Spiel den Beteiligten an!
  • Wenn du eine Praktik ausprobieren möchtest, mit der du keine Erfahrung hast, suche eine nicht anderweitig Tätige, die sich auskennt – die meisten von uns helfen gern.
  • Schützt die Spielbereiche mit einer geeigneten Unterlage (Folie, Handtücher).
  • Nach Abschluss einer Szene ist der Spielbereich aufzuräumen und zu säubern (bei Bedarf desinfizieren).
  • Beteiligung an laufenden Szenen nur mit Erlaubnis der Spielenden.
  • Zuschauende oder andere Spielende nur nach vorheriger Absprache in Szenen einbeziehen.
  • Voyeurismus und Exhibitionismus sind für viele ein Motiv für die Partyteilnahme. Auch hier ist Umsicht angesagt. Schön ist, was dem Vergnügen aller Parteien dient.

 

Safewörter und Eingreifen

  • Verstoßen Teilnehmerinnen gegen diese Party-Vereinbarung, macht sie bitte – möglichst diplomatisch – darauf aufmerksam.
  • Wenn hingegen eine Szene nicht dem eigenen Geschmack entspricht, kann weggeguckt werden.
  • Die Party-Safewörter sind „Gelb“ (für „etwas stimmt nicht“) und „Rot“ (für „Stopp, Schluss!").
  • Dies gilt für alle, die nichts anderes abgesprochen haben.
  • Wenn eine Spielerin das Party-Safewort „Rot“ gebraucht und die entsprechende Szene dennoch nicht abgebrochen wird, ist jede verpflichtet, selbst sofort einzuschreiten und gegebenenfalls in der Nähe Stehende miteinzubeziehen.

 

Safer Sex

  • Möse und Anus nur mit Handschuhen anfassen, Finger- und Faustfick sowieso nur mit Latex- oder Vinylschutz. (In öffentlichen Räumen ist dies schon allein aus Hygienegründen zu empfehlen.)
  • Kondome über Dildos und Vibratoren; bei Bedarf Toys nach Gebrauch desinfizieren. Wechseln von Arsch nach Möse nur nach Reinigung des Toys und Kondomwechsel oder Handschuhwechsel (andersrum – bei derselben Person – ist okay).
  • Benutze einen Dental Dam, ein aufgeschnittenes Kondom oder Folie, wenn du dein Gesicht in die Möse oder deine Zunge in den Arsch einer anderen steckst.
  • Beim Desinfizieren von Toys, Equipment und Haut die Gebrauchsanweisung des Mittels beachten, insbes. die Einwirkzeit!
  • Nadeln und Wegwerf-Klingen müssen in die dafür vorgesehenen Behälter entsorgt werden.
  • Wenn ihr mit Blut spielt, deckt die verletzten Hautbereiche ab, solange sie noch bluten könnten. Entsprechende Spielsachen und Bereiche müssen desinfiziert werden.
  • Körperflüssigkeiten innerhalb eures Spielbereichs halten! Achtet darauf, dass ihr mit Peitschen kein Blut und Ejakulat in der Gegend verteilt. Denkt daran, dass manche von uns heftig spritzen, wenn sie sehr glücklich sind.

 

Mitbringen

  • Folie, Handtuch oder ähnliches zum Unterlegen.
  • Gleitmittel (auch im Sinne der eigenen Verträglichkeit) und sicherheitshalber Safer-Sex-Zutaten.
  • Spielzeug.

Haftungsausschluss

Die Konferenz ist nur volljährigen Personen zugänglich. Jede*r ist für sich selbst und die eigene Sicherheit verantwortlich und stimmt bei der Registrierung den Regeln der Konferenz zu, in denen unter anderem steht, vorsichtig, sicher, bei klarem Verstand und einvernehmlich zu spielen. Die Organisator*innen übernehmen keine Haftung für mögliche seelische oder körperliche Verletzungen, die durch die Teilnahme an der Konferenz entstehen, und haften auch nicht für verlorene oder gestohlene Gegenstände.

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